FOODERIA®
- 1. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Ein Pilotprojekt. Eine Institution. Ein Abschluss.
Redaktion IL GIORNALE · DI SCIASCIO · Darmstadt, 2026

Es gibt Ideen, die als Experiment beginnen und als Legende enden. Und es gibt Ideen, die als Legende beginnen und als Experiment enden. FOODERIA® war beides, nicht nacheinander, sondern gleichzeitig und das von Anfang an.
I. Die These: 2017
Im Jahr 2017 schrieb Mario Di Sciascio seine Bachelorthesis in Frankfurt am Main. Das Thema war kein akademischer Gedankengang. Es war ein Geschäftsplan begleitet von seinem Dozenten Dr. Dietmar Pfaff entwickelte er und Gianni Di Sciascio das Konzept eines Premium-Lieferdienstes, der alles sein sollte, was die deutschen Lieferdienste jener Zeit nicht waren: designbewusst, qualitätsfixiert, italo-amerikanisch, technologisch eigenständig und mit dem Anspruch einer Kette.¹
Noch während die Druckertinte der Thesis trocknete, öffnete die erste FOODERIA in Alsbach-Hähnlein an der Bergstraße. Real American Smash Burger, Pizza Napoletana aus dem aus Italien importierten Holzofen, German Schnitzel Culture, Salate, Desserts: Tiramisu & Nutella-Pizza. Alles vegetarisch, vegan und glutenfrei erhältlich.²
Was FOODERIA® von Anfang an von Lieferando, UberEats und allen anderen unterschied: eine eigene App entwickelt, designed und im Apple App Store sowie Google Play Store veröffentlicht, unabhängig von allen Plattformen.³ Per App, online oder telefonisch bestellbar. Dreißig Minuten später stand das Essen an der Tür. In recycelbarer Eco-Verpackung. Geliefert mit elektrischen Fooderia-Rollern und E-Bikes. Das war nicht Lieferdienst. Das war Infrastruktur.
Das Marketing und Advertising von FOODERIA® war dabei kein Nebenprodukt, sondern Kernstrategie. Professionelle Plakat- und öffentliche PR-Kampagnen, ein kohärentes visuelles Erscheinungsbild, Social Media Präsenz mit Reichweite: FOODERIA® sah aus wie eine internationale Marke, weil sie als internationale Marke gedacht war.
II. Die Expansion: 2017 bis 2019
Was als Pilotprojekt gedacht war, wurde in weniger als zwei Jahren zur Kette. Eigenfinanziert, selbsttragend, ohne externe Investoren, ohne Kredite. Die Entscheidung zur Expansion war keine Intuition, sie war Datenlage. Der deutsche Online-Liefermarkt wuchs zwischen 2015 und 2019 um durchschnittlich dreiundzwanzig Prozent jährlich, getrieben durch Urbanisierung, veränderte Konsumgewohnheiten und die zunehmende Bereitschaft, für Convenience und Qualität einen Aufpreis zu zahlen.⁴ Statista dokumentierte für 2019 einen deutschen Online-Food-Delivery-Markt mit einem Umsatzvolumen von über einer Milliarde Euro mit prognostiziertem Wachstum bis 2023 auf über zwei Milliarden.⁵ Genau in diesem Fenster baute DI SCIASCIO die Unternehmung FOODERIA® auf. Nicht als Reaktion auf einen Trend, als Antwort auf eine Analyse.
Die Bachelorthesis war dabei nicht nur konzeptioneller Rahmen, sondern Mess- und Steuerungsinstrument. Standortwahl, Lieferradius, Preisgestaltung, Zielgruppensegmentierung, Markenskalierungspotenzial, all das wurde vor der ersten Eröffnung modelliert und danach kontinuierlich gegen reale Kennzahlen gespiegelt. Die Bilanzsumme der Fooderia GmbH wuchs im Geschäftsjahr 2018 um 69,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr: ein Wachstumswert, der in der Gastronomiebranche als außergewöhnlich gilt.⁶
2017 FOODERIA Alsbach-Hähnlein, Alte Bergstraße 1. Der erste Premium-Lieferdienst in Deutschland.⁷ 2018 FOODERIA® Seeheim-Jugenheim. Dreihundert-Quadratmeter-Flaggschiff. 2019 FOODERIA® Darmstadt, Grafenstraße 25. Die dritte Filiale. Die Stadt als Skalierung.
Was FOODERIA® dabei strukturell von allen Mitbewerbern unterschied, war die technologische Eigenständigkeit. Während Lieferando und UberEats als Plattformen funktionierten, als Marktplätze, die Restaurants ihre Infrastruktur mieteten und dafür Provisionen von bis zu dreißig Prozent des Bestellwertes verlangten⁸, hatte FOODERIA® eine eigene App entwickelt, im Apple App Store und Google Play Store veröffentlicht, unabhängig von allen Drittplattformen.³ Eigene Daten, eigene Kundenbindung, eigene Marge.
Digital, blitzschnell, nachhaltig und mit bester Qualität: das war FOODERIA. Hier traf innovativer Unternehmergeist auf italo-american Food&Beverage-Tradition. Das FRIZZ Magazin berichtete im Mai 2019 in einem Porträt über die Darmstädter Eröffnung unter dem Titel: Wir sind die Zukunft verfasst von Autorin Jennifer Dold, fotografiert von Klaus Mai.⁹ Ein Satz, der damals wie eine Ansage klang. Und der sich als prophetisch erweisen sollte, auf eine Weise, die niemand erwartet hatte.
Mit dem Erfolg kam die Konsequenz: FOODERIA® wurde beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen.¹⁰ Aus Fooderia - food we love wurde FOODERIA®: offiziell und geschützt. Eine Marke mit Zukunft, so schien es.

III. Das Feuer: 2019
Dann kam der 4. März 2019. Seeheim-Jugenheim. Frühmorgens. Ein Brand zerstörte das Da Mario's und die FOODERIA® Seeheim-Jugenheim in einer Nacht. Der Flaggschiff-Produzent aller Filialen, der Ort, von dem aus die gesamte Qualitätslogistik der Kette gesteuert wurde, brach in sich zusammen. Was über Nacht verloren ging, war nicht nur ein Standort. Es war das Herzstück eines Systems, das auf Interdependenz gebaut war.
Die verbleibenden Filialen mussten auf Eigenproduktion umstellen. Der Fokus lag auf dem Wiederaufbau. Was folgte, war ein Drahtseilakt: abgeschottete Insolvenz und gleichzeitig Unternehmererfolg. Der Boden war weg, die Welt des Erfolges verschwunden über Nacht. Mitmenschen, die sich in diesem Moment als unmenschlich erwiesen. Aber FOODERIA® hörte nicht auf.
IV. Die Pandemie als Beweis
Als im März 2020 die Corona-Pandemie die deutsche Gastronomie in die Knie zwang, bewies FOODERIA® das Gegenteil von dem, was alle erwarteten.
Von Anfang an haben wir einen professionellen Premium-Lieferservice angeboten, sodass wir kaum Ausfälle hatten, erklärte Mario Di Sciascio gegenüber den Medien das Erfolgsrezept. Italo-American-Food&Beverage mit Liebe zur Qualität in nachhaltigen Verpackungen nach Hause gebracht, das macht die Fooderia so einzigartig.
Das FRIZZ Magazin berichtete im Mai 2020 erneut über FOODERIA®, diesmal als einen der wenigen Gastronomieakteure der Region, der die Pandemie nicht als Bedrohung erlebte, sondern als Beweis für die Tragfähigkeit des Konzepts.¹² Die FOODERIA® Darmstadt und die FOODERIA® Alsbach-Hähnlein trugen DI SCIASCIO® durch die dunkelsten Jahre der Branche bis dann ein neues Kapitel begann.
Das Darmstädter Echo berichtete über Herausforderungen am Alsbacher Standort, als kommunale Gebühren für getrübte Stimmung sorgten. Ein Zeugnis dafür, dass FOODERIA® nicht nur in den Medien präsent war, wenn es gut lief, sondern auch wenn es schwierig wurde.¹³

V. Das Finale: 2022 bis 2026
Das Da Mario's LITTLE ITALY öffnete im März 2022 in der Rheinstraße 32, Darmstadt. Broadway Dinner Theater. Live-Musik. Achthundert Quadratmeter inszenierter Geschichte. Der Fokus der Familie verschob sich wieder, gar von Delivery zu Dinner, von Kette zur individuellen Szene-Gastronomie und Bühne.
Die FOODERIA® Darmstadt wurde verkauft. Die FOODERIA® Alsbach-Hähnlein blieb. Sie veränderte ihr Stying mehrfach, erhielt aufregende neue Anknüpfungen, blieb im Kern aber immer dasselbe: das beste italo-amerikanische Konzept an der Bergstraße. Die Gäste wurden Teil der Geschichte. Sie trugen das Konzept, täglich, loyal, über Jahre.
Bis zum 1. Mai 2026.
An diesem Tag verabschiedete sich die Familie Di Sciascio aus dem Projekt FOODERIA®. Der letzte Standort der Bergstraße um Alsbach-Hähnlein wurde erfolgreich verkauft an ein Ehepaar, das die Bergstraße genauso liebt wie die Familie Di Sciascio. Sie übernehmen alles was war: Die Geschichte, das Konzept, die Stammgäste. Ihnen obliegt nun die Fortschreibung dieser Marke.
VI. Was bleibt
FOODERIA® war ein Pilotprojekt, das zur Institution wurde. Ein Träger von Last und Schutt in den schwersten Jahren. Ein bewiesenes Erfolgskonzept: eigenfinanziert, selbsttragend, dreifach skaliert, durch Brand und Pandemie geführt und am Ende erfolgreich übergeben. Von einem jungen Mann, der seine Bachelorthesis nicht in einer Bibliothek schrieb, sondern auf einer Baustelle.
Wir haben gelernt. Gewackelt. Gelitten. Genossen. Gefeiert. Gelacht. Und wir danken jedem einzelnen Gast, der Teil dieser Geschichte war.
FOODERIA® ist für DI SCIASCIO beendet.
Aber wer weiß? Die Zukunft ist so sehr man sie plant und kalkuliert, stets ungewiss, das war sie immer und genau das war immer der Antrieb.
Redaktion IL GIORNALE · DI SCIASCIO · Darmstadt, 2026
QUELLENNACHWEIS
¹ Europa Campus Frankfurt: Bachelor of Arts Internationales Marketing und Management — Mario Di Sciascio, Bachelorthesis Pilotprojekt FOODERIA, 2017, begleitet von Dr. Dietmar Pfaff. europa-campus.de
² FRIZZ Magazin Darmstadt: Wir sind die Zukunft — FOODERIA food we love, Autorin Jennifer Dold, Fotos Klaus Mai, 10. Mai 2019. frizzmag.de/citylife/essen-trinken/Fooderia_Lieferservice_Restaurant_Darmstadt
³ Apple App Store / Google Play Store: FOODERIA App — eigenentwickelte Bestell-App der FOODERIA GmbH, unabhängig von Drittplattformen. apps.apple.com / play.google.com
⁴ Statista / Deloitte: Online Food Delivery Germany — Annual Growth Rate 2015 to 2019, durchschnittlich 23 Prozent jährliches Marktwachstum. statista.com/outlook/online-food-delivery/germany
⁵ Statista: Online Food Delivery Segment — Revenue Germany 2017 to 2023, Marktvolumen 2019 über 1 Milliarde Euro, Prognose 2023 über 2 Milliarden Euro. statista.com
⁶ Implisense / Handelsregister: Fooderia GmbH — Bilanzsumme 2018, Wachstum 69,9 Prozent gegenüber Vorjahr. implisense.com
⁷ Fooderia.co: Die Passion — Restaurants. The first high level delivery service combined with restaurant and bar in Germany. blog.fooderia.co/restaurants.html
⁸ Handelsblatt / Statista: Plattformgebühren Lieferando und UberEats — Provisionsmodelle bis 30 Prozent des Bestellwertes, dokumentiert in Marktanalysen 2019 bis 2021. handelsblatt.com
⁹ FRIZZ Magazin Darmstadt, ebd. — Eröffnung FOODERIA Darmstadt, Grafenstraße 25, Mai 2019.
¹⁰ Deutsches Patent- und Markenamt: FOODERIA®, eingetragene Marke, Inhaber Mario Di Sciascio. dpma.de
¹¹ Implisense / Handelsregister: Fooderia GmbH, Gesellschaftsvertrag vom 26. April 2017, Geschäftsführer Mario Di Sciascio, Stammkapital 25.000 Euro, Schwanenstraße 21, 64297 Darmstadt. implisense.com
¹² FRIZZ Magazin Darmstadt: Die leidenschaftliche Verwirklichung eines Premium-Lieferservices — FOODERIA food we love, Gründer Mario Di Sciascio im Gespräch, Mai 2020. frizzmag.de/citylife/essen-trinken/fooderia-premium-lieferdienst
¹³ Darmstädter Echo Online: Gebühren sorgen für getrübte Stimmung in Alsbacher Fooderia. echo-online.de/lokales/kreis-darmstadt-dieburg/alsbach-haehnlein/gebuehren-sorgen-fuer-getruebte-stimmung-in-alsbacher-fooderia-1905682






